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Little Lilly - oder ein kleines Häufchen Elend

Katze Lily

Kaum war das eine Sorgenkind, Kater Monello, genesen und in gute Hände vermittelt worden, kam auch schon das Nächste ins Tierheim. Der Anruf im Hersbrucker Tierheim kam an einem Dienstag Nachmittag, Mitte Juli. In Steinensittenbach war eine kleine, kranke Katze auf der Straße gefunden worden. Schnell habe ich einen Katzentransportkorb ins Auto gepackt und bin losgefahren. Dank der guten Beschreibung der Finderin habe ich die Adresse auch gleich gefunden. Die Finderin hatte das kleine Kätzchen bereits in einem Korb untergebracht und ihr Wasser und Futter angeboten, doch das kleine Häufchen Elend war zu apathisch und auch zu schwach, die Atmung ging rasselnd, ein Auge war vor lauter Eiter vollkommen verklebt und alle Schnurrhaare waren gekräuselt, als ob sie sich versengt hätte. Nach einem kurzen Zwischenstop am Tierheim war klar, daß die Katze umgehend zum Tierarzt gebracht werden mußte. Dessen Diagnose fiel leider nicht sehr hoffnungsvoll aus: hochgradiger Katzenschnupfen, der bereits auf die Lunge übergegriffen hatte. Voller Sorge um das kleine Katzenleben lies ich das grade erst mal 4 Wochen alte Babykätzchen in der Fürsorge des Veterinärs.

Nach einer Nacht in der Praxis, wo sie eine Infusion bekam, konnte die Katze am nächsten Tag bereits ins Quarantänezimmer des Tierheims einziehen, jedoch hatte sich bei der weiteren Untersuchung herausgestellt, daß sie zudem noch Zungenherpes hatte, was ihr Schmerzen beim selbständigen Fressen bereitete. Für die Helfer im Tierheim hieß dies, sie mußte ihre Päppelnahrung mehrmals täglich über eine Spritze vorsichtig ins Maul geträufelt bekommen.
Einen Tag später durfte ich, ausstaffiert mit Operationskittel, Einweghandschuhen und Gummischuhen, zu ihr ins Zimmer. Kaum saß ich auf dem Boden, stürmte Lilly schon auf mich zu und kletterte unbeholfen an mir hoch. Nach einer Runde Streicheleinheiten begann das Kätzchen an den Handschuhen zu saugen, woraufhin ich ihr das Schüsselchen mit Nassfutter anbot. Zu meiner großen Freude schleckte sie sogar ein bisschen davon. Zwar war sie schon deutlich munterer als bei ihrem Auffinden, doch der Schnupfen machte ihr noch schwer zu schaffen, weswegen sie zweimal täglich inhalieren muß.

Weitere vier Tage später konnte ich Lilly erneut besuchen. Ihr entzündetes Auge sah schon viel besser aus, aber es war immer noch verschlossen, wenn auch nicht mehr voller Eiter. Lilly war in Spiellaune und kletterte an meinem Operationskittel auf und ab und sprang mir immer wieder in den Schoß. Auch diesmal fraß sie ein wenig Nassfutter, sobald ich ihr die Schale unter die Nase hielt, meine Finger allerdings waren viel interessanter und sie tollte lieber herum.

Mein dritter Besuch bei Lilly sollte eigentlich ein Fototermin werden, doch die kleine Katzendame wollte wieder lieber spielen und blieb kaum mal ruhig an einem Ort. Vom Herumtoben schließlich hungrig geworden, machte sie sich über ihr Futter her und diesmal durfte ich sie zudem mit Katzenmilch versorgen. Nachdem sie die Schüssel leer geschleckt hatte, machte sie es sich in meinem Schoß bequem und lies sich kraulen, ihr Schnurren wurde immer wieder durch verschnupftes Niesen unterbrochen.

Ihr geht es inzwischen etwas besser, jedoch ist sie noch lange nicht über den Berg, trotz aller Fürsorge, und muß wohl noch einige Wochen im Quarantänezimmer verbringen sowie noch den ein oder anderen Tierarztbesuch über sich ergehen lassen. Etwa alle drei Stunden bekommt sie, dank der Unterstützung von freiwilligen Helfern ohne die dies nicht innerhalb der regulären Dienstzeiten des Tierheimpersonals zu bewältigen wäre, ihre Nahrung über die Spritze und manchmal frißt sie auch schon das ein oder andere kleine Schälchen mit Nassfutter. Dreimal täglich bekommt sie Augentropfen und es bleibt zu hoffen, daß die Entzündung genauso wie der Katzenschnupfen bald abklingt. Erst danach und nach der obligatorischen Impfung kann das kleine Katzenmädchen zur Vermittlung frei gegeben werden.

(iris hofner)


Little Lilly - der kleine Wildfang

Inzwischen befindet sich Lilly schon einige Wochen in der Obhut des Hersbrucker Tierheims und dank der liebevollen Pflege und Fürsorge hat sie sich gut entwickelt. Nach wie vor sitzt Lilly jedoch in Quarantäne, da der virusbedingte Katzenschnupfen langwierig und für andere Katzen hochansteckend ist. Übertragen wird der jeweilige Virus von Katze zu Katze (Tröpfchenübertragung), also über Futterschüsseln, Spielzeug, Transportkörbe usw. Der Mensch kann den Erreger ebenfalls mit ins Haus bringen, indem er ihn an Schuhen oder Kleidung trägt (weswegen auch Wohnungskatzen gegen Katzenschnupfen geimpft werden sollten). Deshalb muss beim Besuch von Lilly immer noch Schutzkleidung getragen werden. Wären da nicht die gelegentlichen Nieser von Lilly, möchte man gar nicht glauben, an welcher gefährlichen Krankheit das quirlige und aufgeweckte Katzenmädchen eigentlich leidet. Munter tollt sie herum und bespringt ihre Besucher übermütig. Neuerdings hat sie auch eine Rampe zum Fensterbrett in ihrem Zimmer so dass sie ihre kleine und vorwitzige Nase an die Scheibe drücken kann. Leider wird sie wohl am linken Auge blind bleiben, doch das beeinträchtigt sie kaum. Menschen hat sie ?zum Fressen gern?, denn nichts tut sie lieber als an den Fingern ihrer Pfleger zu knabbern. In wenigen Wochen wird sich zeigen, ob der kleine Wildfang es endgültig geschafft hat, denn dann stehen die Impfungen und wenn sie diese übersteht, kann man davon sprechen, dass sie über den Berg ist. Dafür drücke ich ihr schon jetzt ganz fest die Daumen!

(iris hofner)

 

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