Meine Erinnerungen,
an das damalige Tierheim des Tierschutzvereins Hersbruck.
Der Tierschutzverein Hersbruck wurde 1957 gegründet. Gründer und 1.Vorsitzende war Hermann Heublein. Herrn Heublein kannte ich zwar, aber ich hatte zu dieser Zeit mit dem Tierschutzverein noch nichts zu tun.
Erst im Jahr 1964 meldete ich mich bei dem damaligen 1. Vorsitzenden des Tierschutzvereins Hersbruck, Hermann Kube, als Mitglied an.
Als ich sagte, dass ich mich besonders für das Tierheim des Vereins interessiere und er dann von mir erfuhr, dass ich ein
Handwerker sei, teilte er mich sofort zu Arbeiten in dem Tierheim am Weiherweg in Hersbruck ein. Das Tierheim war damals erst 1 Jahr
alt und es gab noch allerhand zu streichen, lackieren und sonstige Kleinigkeiten zu montieren.
Ich lernte das Tierheim und die Tierhaltung dort also schon bereits im Anfangsstadium kennen. Diese freiwilligen und natürlich
unentgeltlichen Arbeiten machten mir Spaß, da ich bei diesen Gelegenheiten ja auch immer mit Tieren in Berührung kam. Aber
dann eines Tages wurde es mir doch fast zu viel und ich dachte schon wieder an den Austritt. Es war so: Ein Hund hatte sich unter dem
Maschendrahtzaun ins Freie durchgegraben und war fort. Es war ausgerechnet ein Pensionshund und das war für das Tierheim sehr
peinlich. Herr Kube beschloss, dass rundum unter dem Zaun des Tierheims Betonplatten eingegraben werden müssen. Als
Ausführender war ich vorgesehen. Diese Arbeit war eine schweißtreibende Schinderei und ich opferte sogar einige Tage meines
Urlaubes. Herr Kube war sehr schwergewichtig und eine Mithilfe von ihm kam nicht in Frage. Zum Schluss war ich dann aber stolz auf mein
Werk.
Dann wechselte ich meinen Beruf und musste zur Ausbildung als Polizeibeamter für 3 Jahre fort von Hersbruck. Als ich wieder
zurück kam, fand ich das Tierheim in Hochform. Dennoch blieb Arbeit für mich, wie Rasenmähen, Heckenschneiden und
Futterfleisch vom Schlachthof zu holen. Das Ehepaar Kube, das ja tagtäglich, an Werk-u. auch an Sonn-und Feiertagen, und da noch
fast rund um die Uhr im Tierheim tätig war, gönnte sich jährlich einmal einen zweiwöchigen Urlaub. Tierheimleiter-
Vertreter wurde in dieser Zeit ich. Humanerweise muss aber gesagt werden, dass in dieser Zeit keine Pensionstiere angenommen wurden und
auch schwierige Tiere ins Tierheim nach Nürnberg gebracht wurden. Es gab somit nur einen Notdienst. Außerdem halfen mir meine
Frau und meine zwei Töchter mit.

Und nun zum Tierschutzverein selbst. Ich wurde 1971 zum 2. Vorsitzenden gewählt und hatte dieses Amt bis 1977 inne. Mein Rücktritt wurde nötig, da ich bei einem Gerichtsprozess wegen einer Tierquälerei vom Gericht als befangen erklärt wurde, weil ich als Polizeibeamter gleichzeitig eine Funktion in einem Tierschutzverein inne hatte.
Trotzdem funktionierte die Zusammenarbeit zwischen der Polizei und dem Tierschutzverein bestens. Mein damaliger Chef war sehr tierlieb und ich hatte jede Unterstützung von ihm. Ich wurde zuständiger Sachbearbeiter für Delikte nach dem Tierschutzgesetz. Eine Aktion, die vermutlich einmalig in ganz Bayern war, will ich noch erwähnen. Als eine Verordnung über das richtige Halten von Ketten- und Zwingerhunden herauskam, durfte ich zusammen mit Herrn Kube mit dem Polizeiauto in allen Dörfern im Dienstbereich, das war der Altlandkreis Hersbruck, überprüfen. Damals hatten noch viele Bauern bedauernswerte Kettenhunde. Wir beanstandeten Mängel, verteilten Anleitungen für die richtige Haltung und unsere Aktion dauerte eine ganze Woche. Bei meinen späteren Nachkontrollen kam es bei Unbelehrbaren zu Verwarnungen und Anzeigen wegen Verstößen nach dem Tierschutzgesetz.
Dann kam der plötzliche Tod von Herrn Kube. Frau Kube versuchte zunächst das Tierheim alleine weiterzuführen, aber sie erkrankte auch und das Tierheim musste 1980 geschlossen werden.
Alles Weitere dann, eine neue 1. Vorsitzende, Frau Charlotte Leykauf, ein Rentner als Tierheimverwalter, ständige Beanstandungen durch Behörden, wie z.B. dem Wasserwirtschafts-Amt. Das Tierheim lag im Hochwassergebiet. Aber selbst die größten Hochwasser überfluteten das Tierheim nur wenige Zentimeter. Da das Gebäude auf kleinen Stelzen gebaut worden war, drang kein Wasser in die Innenräume. Dennoch war das Tierheim dem Amt ein ständiger Dorn im Auge. Obwohl das Hochwasser durch den Maschendrahtzaun ungehindert abfließen konnte, sollte das Tierheim eine Behinderung darstellen.
Dann wurde in das Tierheim, das vorher immer im Winter geschlossen war, eine Gasheizung eingebaut. Als nach dem 1. Winter die Gas-Rechnung kam, waren die Mittel des Tierschutzvereins erschöpft.
Das war 1980 schließlich der Untergang des Tierheimes vom Tierschutzverein Hersbruck. Es war bitter für mich, dies alles mit zu erleben müssen. Als einzige Erinnerung bleibt mir eine Dia-Serie, die ich in dieser Zeit vom Tierheim gefertigt habe und die sich jetzt im Besitz des Tierschutzvereins Hersbruck in guten Händen befindet.
Unerklärlich ist mir, warum heute noch, im Jahr 2010, das ehemalige Tierheim-Grundstück, noch eingezäunt von der Originalhecke des Tierheimes, als Garten genutzt wird und sich auf dem Grundstück auch bauliche Anlagen, wie Geräteschuppen, befinden. Gegenüber und noch weiter im Hochwassergebiet befindet sich ein noch größerer mit einer Hecke umzäunter Obstgarten und auf gleicher Linie parallel zur Pegnitz wurde weit nach der Schließung des Tierheimes ein Schrebergarten errichtet.
Herbert König