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Noteinsatz für Big Tiger

Am Donnerstag, den 17.12. 2009, gegen 19.00 Uhr läutete bei mir das Telefon. Frau Kitzinger war in der Leitung und fragte an, ob ich einen Noteinsatz fahren könne. Sie selbst war nach einem anstrengenden Tag im Tierheim gerade erst zu Hause angekommen. Ich druckste ein wenig herum, denn wenige Stunden vorher hatte ich aus meiner Autowerkstatt die Diagnose erhalten, dass meine Batterie defekt wäre. Schließlich fragte Frau Kitzinger, ob ich sie denn wenigstens zum Einsatz begleiten würde, da sagte ich freilich zu. Eine knappe halbe Stunde später wurde ich abgeholt und es ging in eine Gemeinde im Pegnitztal.

Dort erfuhren wir dann das ganze traurige Schicksal des abzuholenden Katers. Der eigentliche Besitzer würde sich nicht mehr um das Tier kümmern, darum haben ihn die Nachbarn seit geraumer Zeit durchgefüttert, da sie aber eigene Katzen hätten, könnten sie den Kater nicht behalten und nun war er in einem derart erbärmlichen Zustand, dass sie sich nicht mehr zu helfen gewusst hätten und deshalb den Tierschutzverein gerufen hatten. Eine missliche Lage. Weiter erfuhren wir, der Kater würde regelmäßig aus der Nase bluten und hätte "epileptische Anfälle". Eindringlich wurden wir von den Leuten gebeten, dem Kater doch wenigstens ein Winterquartier im Tierheim zu gewähren. Und dringend zu Tierarzt gebracht werden müsste er auch. Die besorgten Tierfreunde versprachen uns auch, eine Einverständniserklärung des Besitzers bzw. eine Abtrittserklärung für das Tier an das Tierheim zu besorgen. Da es um den beleibten Kater wirklich nicht zum Besten zu stehen schien, packten wir das Tier schließlich ein und nahmen es mit.

big tiger

Erstmal fuhren wir mit ihm ins Tierheim um dort das weitere Vorgehen mit der Tierheimleitung und der Vereinsvorsitzenden abzuklären. Inzwischen war es halb zehn Uhr geworden. Big Tiger lag derweil im offenen Transportkorb im Eingangsbereich des Tierheims und schnurrte wohlig vor sich hin. Während wir noch darüber beratschlagten, ob wir es verantworten könnten, den Kater über Nacht im Tierheim zu belassen und erst am nächsten Tag einem Tierarzt vorzustellen, begann die Katze im Korb zu krampfen. Plötzlich schoss das Koloss wie von der Tarantel gestochen aus dem Transporter und fegte unkontrolliert im Zimmer umher. Frau Kitzinger und ich konnten nur noch in Deckung gehen und hoffen, nicht von Big Tiger angesprungen und gekratzt oder gebissen zu werden. Nach gut zwei Minuten war der Spuck vorbei, doch der Schock saß tief und uns war klar, der Kater brauchte einen Tierarzt und zwar sofort!

Tiger hatte sich mit blutverschmierter Nase schwer atmend in eine Ecke verkrochen und Speichel tropfte ihm aus dem Maul. Während ich die Spuren des Krampfes bei der Katze und im Zimmer beseitigte, kontaktierte Frau Kitzinger einen Notfalltierarzt. Der nächste dienstbereite Arzt war in Eckental. Bei dem trafen wir gegen 23.00 Uhr in der Praxis ein. Big Tiger legte sich schnurrend auf den Behandlungstisch und lies geduldig und gutmütig die Untersuchung über sich ergehen. Nicht nur die Nase blutete immer wieder, auch sein Gebiss war desolat und teilweise unter Eiter und alle vier Pfoten waren schlimm entzündet, zum Teil sogar blutig. Wir schilderten dem Tierarzt auch den Krampfanfall. Gerade als der Arzt seine Untersuchung abschließen wollte, begann der Kater erneut zu krampfen und schoss wie ein Berserker kreuz und quer durch das Behandlungszimmer. Schließlich lag er wieder keuchend und triefend in einer Ecke.

Nach dieser "Demonstration" fiel die Prognose des Arztes recht niederschmetternd aus und er meinte, da könne wohl eine Reihe von Untersuchungen auf uns und den Kater zukommen, ehe man die Ursache für diese Anfälle herausfinden könne. Gegen die schmerzhaften Entzündungen im Mund und an den Pfoten überlies er uns für das Tier ein Antibiotikum und nach weiterer Erstversorgung packten wir den Kater wieder in den Transporter, wo er prompt nach kurzer Weile nochmal einen Anfall bekam. Kurz nach Mitternacht machten wir uns auf den Rückweg ins Tierheim und bis wir dort ein halbwegs bei seinen Anfällen verletzungsgefahrfreies Zimmer für Big Tiger hergerichtet hatten, war es bereits weit nach 1.00 Uhr. Frau Kitzinger und ich waren danach beide heilfroh, dass keine von uns alleine gefahren ist, denn wir waren beide ziemlich geschockt und erledigt nach diesem Noteinsatz.

Derzeit ist Big Tiger im Tierheim untergebracht und wird dort versorgt. Wie es mit ihm weitergeht und ob und wann ein endgültiger Befund für seine Krampfanfälle feststeht, hängt leider - wie so oft - von den Kosten ab. Im vermeintlich "günstigsten" Fall leidet der Kater unter einer bakteriellen Infektion oder Pilzkrankheit, die sich medikamentös therapieren lässt. Im schlimmsten Fall ist jedoch eine Tumorerkrankung zu befürchten und schon allein der Weg bis zu dieser Diagnose kann sehr teuer werden und es steht leider in den Sternen, ob der Tierschutzverein dafür die finanziellen Mittel dann aufbringen kann. Aus wirtschaftlichen Gründen wird deshalb ab einem gewissen Punkt die Vernunft über die Tierliebe siegen müssen, doch zumindest möchten wir an diesem Punkt sagen können, das wir alles versucht haben, was uns möglich war, um ein Tier wie Big Tiger zu retten. Und noch besteht die Hoffnung, dass es nicht zum schlimmsten Fall kommt. Immer wieder landen solche schwer kranken Tiere im Hersbrucker Tierheim. Mit Monello und Lilly (die immer noch putzmunter im Tierheim herumtollt und auf einen Tierliebhaber mit Herz hofft, der ihr ein neues zu Hause schenkt) sowie nun Big Tiger möchte ich hier nur einige Beispiele in Erinnerung rufen. Um gerade auch diesen schweren Fällen helfen zu können ist unser Verein auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende, egal in welcher Höhe. Sämtliche Spenden kommen allein unseren Tieren zugute und auf Wunsch senden wir Ihnen gerne eine Spendenquittung zu.

Wir sagen schon mal besten Dank.

Spenden sind steuerlich absetzbar.

Unsere Bankverbindung:
Sparkasse Hersbruck, Kontonummer: 190 034 017, BLZ: 760 501 01

(iris hofner)

Nachtrag: Obwohl Big Tiger unter ärztlicher Beobachtung und Behandlung stand ist er bei seinem letzten Krampfanfall leider verstorben, da sowohl Niere als auch Leber bereits irreparabel geschädigt waren.

 

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